{"id":4861,"date":"2017-07-01T11:03:20","date_gmt":"2017-07-01T10:03:20","guid":{"rendered":"http:\/\/gmb.pastpresentfuture.de\/?p=4861"},"modified":"2025-06-27T14:37:36","modified_gmt":"2025-06-27T13:37:36","slug":"was-waere-wenn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/postmodular.de\/category\/post\/was-waere-wenn\/","title":{"rendered":"Literarischer Modellbau als Entwurfsmethode"},"content":{"rendered":"<p>Was w\u00e4re, wenn \u2026?<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchsemester 2017 habe ich mit Studierenden der Fachrichtung Interaction Design ein kleines Experiment gemacht. Wir haben uns gefragt, ob die Entwicklung von Vorstellungen und Ideen auch in Form von Kurzgeschichten gelingen k\u00f6nnte. Warum sollten wir immer gleich Bilder und Anschauliches liefern? Kann man die Zukunft (oder auch die Gegenwart) nicht auch einfach mittels Sprache erfinden?<\/p>\n<p>Spekulationen \u00fcber eine andere Gegenwart oder Zukunft fordern unseren M\u00f6glichkeitssinn heraus. Robert Musil definierte den M\u00f6glichkeitssinn als die F\u00e4higkeit, zu definieren, &#8222;<em>[\u2026]\u00a0alles was ebensogut sein k\u00f6nnte, zu denken und das, was ist, nicht weniger zu nehmen als das, was nicht ist.<\/em>&#8220; Utopien (das europ\u00e4ische M\u00e4rchen) und Fiktionen (das amerikanische M\u00e4rchen) entstehen also, indem wir fragen, &#8222;<em>Was w\u00e4re, wenn?<\/em>\u201d. Ideen \u00a0sind hier nicht an politische, kulturelle oder \u00f6konomische Rahmenbedingungen gebunden. Sie beziehen ihre Kraft vielmehr aus der mangelnden \u00dcbereinstimmung mit diesen. Genau in dieser Differenz liegt ihre imaginative Wirkung zur Erfassung dessen, was wir als \u2018Realit\u00e4t\u2019 beschreiben. In meinem kleinen Experiment ging es nicht um die Vermittlung von utopischem oder fiktionalem Denken als einem weiteren zweckrationalen Entwurfsverfahren. Vielmehr ging es darum, das Fiktionale des Entwerfens selbst zu verstehen. Wenn wir k\u00fcnstlerisch, gestalterisch, \u00f6konomisch oder technisch-wissenschaftlich vorgehen, \u00e4sthetisch oder logisch argumentieren, strategisch handeln, oder mit dem Zufall taktieren, um \u2018Realit\u00e4t\u2019 herzustellen, entsteht immer auch Fiktion. Das Experiment \u00f6ffnete einen Raum f\u00fcr die bewusste Erprobung der eigenen F\u00e4higkeit, die Welt von einer radikal anderen Beobachterposition aus zu beschreiben und zu erkennen, unter welchen Bedingungen es hilfreich sein k\u00f6nnte, so zu handeln, als ob sie real w\u00e4re.<\/p>\n<p>Zur Einf\u00fchrung gab es eine kleine Utopie- und Fiktionstheorie am Beispiel ausgew\u00e4hlter Materialien und relevanter Quellenbest\u00e4nde aus den Bereichen Gesellschaftsutopie und Social Science Fiction. Dabei ging es vor allem um die Frage, wie Fiktionen unsere Wirklichkeitswahrnehmung und unser Wirklichkeitsbild beeinflussen k\u00f6nnen (Rezeptions- und Korrealit\u00e4tsprinzip). Werkstattgespr\u00e4che zwischen Wissenschaftlerinnen, Designerinnen und K\u00fcnstlerinnen begleiten das Projekt und er\u00f6ffnen den Teilnehmerinnen interessante Grenzg\u00e4nge zwischen Realit\u00e4ts- und M\u00f6glichkeitssinn.<\/p>\n<pre><a href=\"https:\/\/www.postmodular.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Project_Proposal_MartinDusek_JannicMascello.pdf\">Ein gelungenes Beispiel von Martin Dusek und Jannic Mascello, ZHdK<\/a><\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was w\u00e4re, wenn \u2026? Im Fr\u00fchsemester 2017 habe ich mit Studierenden der Fachrichtung Interaction Design ein kleines Experiment gemacht. Wir haben uns gefragt, ob die Entwicklung von Vorstellungen und Ideen<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":10082,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[271],"tags":[337,278,212,211],"class_list":["post-4861","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-studentische_projekte","tag-design-methodik","tag-forschung-lehre","tag-literarischer-modellbau","tag-science-fiction","comments-off"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/postmodular.de\/category\/post\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4861","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/postmodular.de\/category\/post\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/postmodular.de\/category\/post\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/postmodular.de\/category\/post\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/postmodular.de\/category\/post\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4861"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/postmodular.de\/category\/post\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4861\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10590,"href":"https:\/\/postmodular.de\/category\/post\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4861\/revisions\/10590"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/postmodular.de\/category\/post\/wp-json\/wp\/v2\/media\/10082"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/postmodular.de\/category\/post\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4861"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/postmodular.de\/category\/post\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4861"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/postmodular.de\/category\/post\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4861"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}