{"id":6153,"date":"2019-04-12T13:52:49","date_gmt":"2019-04-12T12:52:49","guid":{"rendered":"http:\/\/gmb.pastpresentfuture.de\/?p=6153"},"modified":"2025-06-28T15:42:35","modified_gmt":"2025-06-28T14:42:35","slug":"entschulungsprozesse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/postmodular.de\/category\/post\/entschulungsprozesse\/","title":{"rendered":"Entschulung, unsystematisch gedacht \u2026"},"content":{"rendered":"<p>Es ist eine Tatsache oder gar eine Wahrheit, da\u00df sich \u203alebende\u2039 Systeme (gleich welcher Art) selbst hervorbringen k\u00f6nnen. Kleine Abwandlungen sind dabei unvermeidlich und auf die lange Sicht von gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Wirkung (Evolution). F\u00fcr mich pers\u00f6nlich absehbar ist es, da\u00df \u203a<em>Rosen aus Rosen<\/em>\u2039 und \u203a<em>Menschen aus Menschen<\/em>\u203a hervorgehen. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Humberto_Maturana\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Humberto Maturana<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Francisco_Varela\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Francisco Varela<\/a> haben dieses biologisch-kybernetische Prinzip lebendiger Systeme als \u203aAutopoiesis\u2039 bezeichnet (1973).<\/p>\n<p>Jedes einzelne lebende System bringt sich selbst als energetischen und biologischen Wertstoff in das Universum ein (incl. der Verfallszeiten), es produziert dar\u00fcber hinaus gewisse kulturelle Wertstoffe. Kultur ist damit nichts anderes als eine Art (unvermeidbarer) Nebeneffekt jeder lebendigen Existenz und auch auch sie (die kulturellen Wertstoffe) haben ihre Verfallszeit. So kann der Damm eines Biebers sehr lange bestehen, viel l\u00e4nger als die erschaffende Kreatur selber lebt und so k\u00f6nnen dingliche Erzeugnisse, Sprachen oder Techniken eine sehr lange Zeit ihre Sch\u00f6pfer*innen \u00fcberdauern. Und ebenso nat\u00fcrlich erscheint es uns, da\u00df sie ihre Form (und ihren Zweck) ver\u00e4ndern oder an die neuen Umst\u00e4nde anpassen.<\/p>\n<p>Das besondere an diesen kulturellen Wertstoffen ist, da\u00df sie all diejenigen Eigenschaften inkorporieren, die ihren urs\u00e4chlichen Sch\u00f6pfer*innen eigen sind. Es ist damit gesagt, da\u00df jede lebendige Kultur nat\u00fcrlicherweise dahin strebt, sich eines Tages selbstst\u00e4ndig zu verfertigen. Wir werden wahrscheinlich niemals Bieberd\u00e4mme erleben, die Bieberd\u00e4mme erbauen und wir werden keine Autos erleben, die Autos bauen. Aber, ganz allgemein gesprochen, wir werden in ferner Zukunft eine Technik erleben, die sich selbstst\u00e4ndig (autonom) weiterdenkt. Diese Prognose ist angesichts des heute schon M\u00f6glichen nicht allzu gewagt.<\/p>\n<p>Es geschieht, sobald das lebendige Leben in der Lage ist, jene elementaren Vorg\u00e4nge zu verstehen, die lebendig sind. Unsere Schulen und Hochschulen sind Teil unseres Bildungssystems, das diesen prinzipiellen Gedanken systematisch weitertreibt. Zu diesem Gedanken kam ich bei der Lekt\u00fcre von Ivan Illich und seinem Text \u00fcber das \u203aVerlernen\u2039 (aus dem 1970 erstmalig erschienenen Buch \u203aUnschooling Society\u2039). Illich schrieb: &#8222;<em>Eine Gesellschaft, die sich der Institutionalisierung von Werten verpflichtet f\u00fchlt, identifiziert die Produktion von G\u00fctern und Dienstleistungen mit der Nachfrage nach denselben. Die Schulung unserer Bed\u00fcrfnisse nach diesen Produkten ist im Preis der Produkte inbegriffen. Die Schule (oder auch Universit\u00e4t) ist die Werbeagentur, die uns glauben l\u00e4sst, dass man die Gesellschaft genau so braucht, wie sie ist.<\/em>&#8220;<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>&#8222;A society committed to the institutionalization of values identifies the production of goods and services with the demand for such. Education which makes you need the product is included in the price of the product. School is the advertising agency which makes you believe that you need the society as it is.&#8220; <\/em><span style=\"color: #333333; font-size: 17px;\">Illich, I. (1970). Deschooling Society. Retrieved from: <\/span><a style=\"font-size: 17px;\" href=\"http:\/\/www.davidtinapple.com\/illich\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">davidtinapple<\/a><span style=\"color: #333333; font-size: 17px;\">. Zuletzt besucht am 5. April 2019.<\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Es stellt sich die Frage, ob dieser Befund richtig ist und ob unsere Schulen und Universit\u00e4ten genug auf ein \u203aLeben in der Gegenwart\u2039 eingehen. Wenn wir unser Leben ausdr\u00fccklich nicht auf eine immer ferne Zukunft ausrichten wollen, dann m\u00fcssen wir diese Frage mit Nachdruck behandeln. Dazu schrieb Martin Heidegger in \u203aWas heisst Denken?\u2039:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eWir n\u00e4hmen die Sache zu leicht, wollten wir meinen, die Herrschaft des eingleisigen Denkens entstamme der menschlichen Bequemlichkeit. Das immer weiter und in verschiedenen Formen um sich greifende eingleisige Denken ist eine jener erw\u00e4hnten unvermuteten und unauff\u00e4lligen Herrschaftsformen des Wesens der Technik, welches Wesen n\u00e4mlich die unbedingte Eindeutigkeit will und sie deshalb braucht.\u201c<br \/>\n<\/em><\/p><\/blockquote>\n<pre>Heidegger, Martin (1954). Was heisst Denken. Frankfurt am Main. S.28<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist eine Tatsache oder gar eine Wahrheit, da\u00df sich \u203alebende\u2039 Systeme (gleich welcher Art) selbst hervorbringen k\u00f6nnen. 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