Die unsichtbare Universität | Souveränitätsphantasma

Universitäten und Hochschulen sind ›Kleine Welten‹ oder eben ganz einfach — exklusive Organisationen. Als Leiter der Designforschung der ZHdK arbeite ich im Stillen an dem Projekt ›Die unsichtbare Universität‹. Akteure arbeiten außerhalb der organisatorischen Rahmung von Forschung und Lehre und widmen sich – allein oder in Gruppen – eigenen Fortschrittsprojekten. Sie stellen Fragen, forschen, entwickeln, publizieren, sie lehre auch und sie stellen aus. Prinzipiell tun sie das gleiche wie wir — allerdings mit gänzlich anderen Rahmenbedingungen und meist abseits der üblichen öffentlichen Wahrnehmung. Sie haben die andere Freiheit. Eine Freiheit, wie sie Jacques Derrida in seinem Buch ›Die unbedingte Universität‹ beschrieb, als die »unbedingte Freiheit der Frage und Äußerung«. Derrida beschrieb das Recht der Universitäten, als eine Art Pflicht, das auszusprechen, was immer es im Interesse eines auf Wahrheit gerichteten Forschens, Wissens und Fragens zu sagen gilt.

Mich interessiert der Punkt bei Derrida, den er als ›Dekonstruktion‹ beschrieb: Dekonstruktion bedeutet bei ihm, das zu denken, was noch nicht bewusst, was noch nicht bekannt ist und dennoch aber geschieht. Die unsichtbare Universität verstehe ich als ‘unversammelte Versammlung’, als nicht-organisierte Organisation’ oder ‘entstaltete Gestalt’. Als Organisationen der Kunst (allg.) muss es uns doch interessieren, wie es jenseits unserer herrschenden Einsichten und Gewissheiten weitergeht, anders weitergeht.

Verständlicherweise kam ich mit diesen Fragestellungen an der ZHdK nicht gut an, das Projekt blieb in der Schublade. Projektemacherei eben …

Pratchett, Terry (2009 / 2012). Der Club der unsichtbaren Gelehrten. München: Goldmann.
Rancière, Jacques (1987 / 2018). Der unwissende Lehrmeister. Wien: Passagen Verlag.
Derrida, Jacques (2001) Die unbedingte Universität. Frankfurt a. Main: Edition Suhrkamp.
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