Auch Mechanisierung meint Digitalisierung

Die Gliederung einer komplexen handwerklichen Verrichtung (z.B. das Anfertigen eines Hockers) in seine elementaren Verfahrensschritte, kennzeichnet die Entwicklungen der ersten industriellen Revolution (Mitte 18. Jahrhundert). Es handelt sich dabei um ein frühes Beispiel von Digitalisierung. So wurde eine komplexe handwerkliche Verrichtung in diskrete Vorgänge unterteilt und somit dokumentierbar, abzählbar und administrierbar. Die Form der Vereinfachung war nicht nur ökonomisch sinnvoll, jeder Arbeitsschritt wurde so vereinfacht, daß die Erfindung der nächsten Maschine in ihm angelegt war. Die ‘Mechanischen Werkstätten’ brachten nicht nur Produkte des alltäglichen Bedarfes hervor, sie produzierten immer auch bessere Maschinen.

So wird die mechanische Transformation der Manufakturen im 18. Jahrhunderts erklärt, bei Adam Smith, Karl Marx und auch heute noch. Komplementär zu dieser Mechanisierung handwerklich-materialer Arbeit dokumentiert die Erfindung der Rechenmaschine durch Wilhelm Schickard (~1623), Blaise Pascal (~1645) und Gottfried Wilhelm Leibnitz (~1673) die Mechanisierung logischer Rechenoperationen. Die Rechenmaschinen halfen dabei, die Wirtschaft der Gesellschaften zu kalkulieren, zu statistifizieren und entscheidbar zu machen. Es wurde uns zudem möglich, unsere Natur umfänglicher als bisher zu untersuchen, zu erklären und zu transformieren.

Die Entwicklungen der GEN-Technik zeigen, wie sehr wir Menschen das ‘Reservatsrecht der Natur’ (Blumenberg) ablehnen. Mit der naturgesetzlich-physikalischen Arbeit der Maschine und der Operationalisierung der mathematischen Logik waren die Grundlagen gelegt für die tiefe Technisierung des Organischen. Wir haben so viele Möglichkeiten erhalten, die Welt in all ihren Einzelheiten und deren Zusammenspiel zu verstehen und nach Belieben zu transformieren. Eine Antwort auf die Frage, was diese Welt für uns werden kann, sollten wir uns davon jedoch nicht versprechen.

Siehe auch: Blumenberg, Hans (2009). Geistesgeschichte der Technik. 
Frankfurt am Main: Suhrkamp.
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